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Ursula Caberta y Diaz und Brigitte Netz Foto: Dieter Netz
Ursula Caberta y Diaz und Brigitte Netz vor dem Diagnosezentrum am Krankenhaus Winsen

3. August 2020: Offener Brief an Dr. Carola Reimann: Corona-Diagnosezentrum geschlossen

Betreff: Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) stellt Arbeit an Corona-Diagnosezentren an den Krankenhäusern Winsen (Luhe) und Buchholz (Nordheide) ein

Sehr geehrte Frau Ministerin,
liebe Carola Reimann,

mit Irritiation und Verwunderung haben wir die Einstellung der Arbeit an den Corona-Diagnosezentren in Winsen (Luhe) und Buchholz (Nordheide) zur Kenntnis nehmen müssen. Nach uns vorliegenden Informationen ist Ihr Ministerium an dieser Entscheidung mit beteiligt, jedenfalls ist anscheinend nicht ausreichend auf die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) eingewirkt worden, diese Entscheidung nicht zu treffen.

Zeitgleich entnehmen wir den Medien (z.B. dem NDR), dass die Landesregierung in Hannover sich sehr besorgt zeigt wegen der wieder ansteigenden Infektionszahlen und der damit einhergehenden höheren Gefahr durch das tödliche Virus für die Bevölkerung.

Für uns – und da sind wir sicher nicht allein – passen diese beiden Informationen nicht zusammen.

Nach Einstellung der Arbeit in den Diagnosezentren – ob hier oder in anderen Landkreisen – stellt sich die Situation ab sofort wie folgt dar:

Ab sofort sollen Menschen mit Krankheitssymptomen und Personen, die nachweislich Kontakt zu Infizierten hatten, sich bei ihrem Hausarzt oder – mit entsprechender Überweisung – in einer sog. Infektionspraxis melden, um dort einen Corona-Test durch führen zu lassen.

Diese Vorgehensweise steht in krassem Widerspruch zu allen Maßnahmen, die darauf ausgerichtet sind, Infektionen möglichst schnell nachzuweisen, um zu verhindern, dass unbemerkt andere angesteckt und so neue Infektionsketten ausgelöst werden.

Diese verantwortungslose Entscheidung ist nicht hinnehmbar. Zentraler Punkt bei allen Maßnahmen zur Bekämpfung und Eindämmung der Corona-Pandemie ist es, die Situation vor Ort so schnell wie möglich in den Griff zu bekommen. Dem wird die Entscheidung der KVN in keiner Weise gerecht.

Jeder weiß doch, wie schwer es ist, einen Arzttermin zu bekommen. Allein dies wird in vielen Fällen dazu führen, dass ein Test – und damit die Feststellung, ob eine Infektion vorliegt oder nicht – zeitverzögert erfolgt. Außerdem: auch Ärzte haben Urlaub, das Verfahren ist viel zu kompliziert und mit zusätzlichen Ansteckungsrisiken verbunden. Wenn erst eine Arztpraxis aufgesucht werden muss, und sei es „nur“ um eine Überweisung abzuholen, sind dies absolut unnötige Kontakte.

Und haben wir nicht sogar gelernt, dass andere Patienten aus Sorge, sich in der Praxis mit dem Virus zu infizieren, selbst in gesundheitlich kritischen Situationen auf notwendige Arztbesuche verzichten?

Hinzu kommt,

  • Reiserückkehrer aus Risikogebieten sollen sich künftig auch testen lassen können, wie der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in diesen Tagen mit den Gesundheitsministerien der Länder abgesprochen hat und
  • Arbeitgeber sowie besonders Gefährdete bzw. Beschäftigte systemrelevanter Berufsgruppen möchten zunehmend durch einen Test ihren gesundheitlichen Zustand abklären.

Auch hier lautet die Begründing immer wieder: Man müsse Infektionen so schnell wie möglich nachweisen, um zu verhindern, dass unbemerkt weitere Personen angesteckt und so neue Infektionsketten ausgelöste werden.

Wir sind der Überzeugung, dass in diesen schwierigen Zeiten noch mehr als sonst, alle politisch Verantwortlichen – egal in welcher Funktion – darum kämpfen müssen, dass dieser Todesvirus keine Basis für Verbreitung findet.

Und, liebe Carola Reimann, es reicht nicht, die Bevölkerung immer wieder daran zu erinnern, die Hygiene- und Abstandregeln sowie die Pflicht zur Mund-Nasen-Bedeckung weiter zu befolgen. Es muss von der Politik in Hannover mehr geschehen. In der aktuellen Situation gehört für uns dazu, die Entscheidung der KVN, die Diagnosezentren zu schließen , sofort rückgängig zu machen.

Wir fordern Sie hiermit auf, mit allen Ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, auf die KVN einzuwirken, dass dieses schnell geschieht. Sollten Sie die Auffassung vertreten, dass Verhandlungen dazu mit der KVN zu viel Zeit in Anspruch nehmen, fordern wir Sie auf, die Kosten für die Einrichtung von Testzentren aus dem Landeshaushalt bereit zu stellen.

Die Gesundheitsfürsorge und das Interesse eine weitere Verbreitung des Virus mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu verhindern, sollte uns allen das Geld wert sein.

Mit freundlichem Gruß und in der Hoffnung, dass wir alle an einem Strang ziehen und es gelingt, diese absolut unvernünftige und nicht nachvollziehbare Entscheidung zu revidieren.

Brigitte Netz, Stadträtin Winsen (Luhe)

Ursula Caberta y Diaz, Kreistagsabgeordnete Landkreis Harburg

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